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Marketing?


Marketing ist wohl die Kunst, Behauptungen zu Fakten zu machen.
Nur mit Worten, ohne Beweise! 

Es funktioniert bei Stahl  ungefähr so:

Eine möglichst einprägsame Abkürzung finden.
Irgendwas mit „high“,  „super“,  „dur“ oder „gold“ drin.
Möglichst technisch auch noch.

Eine pseudowissenschaftliche Erklärung, warum das jetzt das Nonplusultra ist, wird dazu geliefert. Meistens reicht schon der Hinweis auf einen harten, exotischen Einsatzzweck. Eine Hochdruckpumpe, Einspritzdüse, ein Zahnrad, Geschützrohr, etwas vom Düsenjäger oder aus der Raumfahrt sollte es dann schon sein.

Damit qualifiziert sich der Stahl automatisch zum Messerstahl, weil genau diese Eigenschaften in der Klinge gebraucht werden.
Ob sie an der Schneide das halten, was das Zahnrad verspricht?

Ein, zwei zufriedene Kunden werden präsentiert.

Durch ständiges Kolportieren setzt es sich in den Köpfen fest und alle machen mit.

Auch die anderen Hersteller. Sie können ja nicht nachstehen, wenn die Nachfrage jetzt in eine andere Richtung läuft. Man will ja „Mainstream“ bleiben.
Zur Aufklärung bleibt kaum Zeit, dazu geht es zu schnell.

Es würde auch nichts bringen. Aufklären kann ich eh' nur den, der aufgeklärt werden möchte. Und außerdem würden einem bei dieser Gelegenheit nur die eigenen "Sünden" zum Vorwurf gemacht. 
Also, Augen zu und durch, wider besseres Wissen.

So werden Legenden geboren!

In den Foren wird dann so nach und nach die bittere Wahrheit erkennbar:

„Mein Messer wird nicht scharf, ..... mein Messer wird schnell stumpf, ......, mein Messer hat Ausbrüche an der Schneide,.... meines ist abgebrochen,....    etc.“.

Hat man so etwas auch schon von Damastmessern oder Kohlenstoffstahlmessern gehört? Selten bis nie, soweit ich es nach 6 Jahren mitlesen und mitverfolgen beurteilen kann.

Die Protagonisten dieser Superstähle können jetzt nicht mehr zurück, und so wird in einer Art Vernebelungstaktik nach möglichen Ursachen gesucht, woran es denn liegen könnte:

  • Nutzerfehler?
  • Falsche Wärmebehandlung? 
  • Falscher Schleifstein?
  • Falscher Schleifwinkel?
  • Falscher Druck beim Schleifen?
  • Undsoweiter.

Vorkommen kann ja immer etwas, .......... aber die Stahlwahl wird kaum noch hinterfragt. Vielleicht eignen sich Zahnräder in Messerform doch nicht so gut?

Noch bevor der Kunde weiß, wie ihm geschieht, kommt dann bestimmt die Empfehlung, sich doch einfach ein anderes Messer mit dem neuen
„xdepp-super-high-dur" zu kaufen.
Der wird bei den ganz großen Maschinen als dickes Zahnrad benutzt, und dicke Zahnräder schneiden ja bekanntlich besser, als die dünnen oder die normalen, oder?

Wer so etwas nicht bieten kann, muss längst nicht passen, der (bisherige) Gipfel der Geschmacklosigkeit steht immer noch offen:

"Tirpitz-Stahl"!    ............ Wow!!!

Über tausend Tote beim Untergang, zerfetzt oder jämmerlich ersoffen!

Wie krank muss man sein, ..........auf beiden Seiten?

Was sagt mir das? ................

 

Seit einigen Jahren sorgen die sagenumwobenen pulvermetallurgisch erzeugten Stähle für Aufregung. Einige - sogar "renommierte" - Messermacher haben sich auf diese Stahlsorten eingeschworen. Nun muss man Wikipedia nicht den Vorwurf machen, alles genau zu wissen, folgendes Zitat weist jedoch genau in die richtige Richtung:

Zitat aus Wikipedia:" ...Stahl kann aber auch über den pulvermetallurgischen Weg hergestellt werden. Dabei werden Pulvermischungen in bauteilnahe Form gepresst und dann bei Temperaturen unterhalb der Schmelztemperatur der Hauptkomponente gesintert. Je nach Pulverteilchengröße und Prozessführung können sehr kleine Korngrößen erzielt werden. Eine Besonderheit des Sinterstahls ist eine gewisse Restporosität. Diese führt zu einer Verschlechterung der Eigenschaften. Sie kann aber auch gewollt sein. In z.B. Gleitlagerwerkstoffen ermöglicht die Porosität die Aufnahme von Schmieröl, welches kontinuierlich über die gesamte Lebensdauer abgegeben wird. ..."

Und das will ich dann in einem Messer haben?


Was Marketing ausmachen kann, zeigt vielleicht folgendes, selbsterlebtes Beispiel:

Ein Kollege, Hobbykoch, kam zu mir und fragte, ob ich ihm mal seine Küchenmesser  schärfen könnte. Sie wären nicht mehr richtig scharf.

"Und sein Keramikmesser, das wäre das Schärfste überhaupt. Naja, es sei ja schließlich Keramik und schärfer geht’s ja nicht...., weiß ja jeder und steht ja auch überall geschrieben. Und bei Tomaten...., und überhaupt.........."

Ich habe „ja“ gesagt und prognostiziert, dass sie schärfer würden, als sein Keramikmesser. Diese Äußerung wurde mit einer hochgezogenen Braue und einem Gesichtsausdruck quittiert, der die pure Skepsis, gespeist aus überlegenem Wissen,  zum Ausdruck brachte.

Ich habe die Messer geschärft und zurückgegeben.
Etwa eine Woche danach kam er zu mir und meinte:

„Ja, das hätte er jetzt nicht geglaubt, ...........die Dinger schneiden ja wie Gift, ....und sogar besser, als das Keramikmesser,...... das liegt jetzt in der Schublade.“

Aber so richtig glauben könnte er es immer noch nicht, weil:

“ Keramik ist doch schärfer als Stahl, oder?“          

„Nöh“, habe ich gesagt.

Jetzt hat er mich nach einem geeigneten Bankstein für seine Messer gefragt und hat einen bestellt. Ich habe das Gefühl, eine gute Tat getan zu haben.

Die Messer sind von Wüsthoff, gar nicht einmal erste Wahl. Wie würde er wohl reden, wenn er die Gelegenheit hätte, mal ein wirklich scharfes Messer führen zu dürfen.

Natürlich aus Damast! 

Marketing? .......................Nicht mein Ding!